Der Unterwasser-Armzug - Vortrieb entwickeln

Ist der Widerstand im Wasser mithilfe einer optimalen Wasserlage einmal auf ein Minimum reduziert, kann man sich voll und ganz auf die Vortriebsentwicklung konzentrieren. Aus diesem Grund beschäftigt sich das zweite Schlüsselelement mit dem sogenannten Unterwasser-Armzug, welcher uns, sofern er richtig ausgeführt wird, den wesentlichen Teil des Vortriebs beim Kraulschwimmen liefert. Die Wasserlage sollte dabei selbstverständlich nicht vernachlässigt werden, denn wir wissen ja, dass alle Bewegungen und Haltungen miteinander harmonieren müssen, damit wir uns schnell und effizient durch das Wasser bewegen können.

Um im Wasser Vortrieb generieren zu können, ist es notwendig, so früh wie möglich eine Kraft auf das Wasser nach hinten auszuüben. Es gilt, dass je früher in der Bewegung man es schafft, die Hand unter dem Ellbogen zu platzieren, und somit eine Kraft nach hinten zu entwickeln, und je länger man dies während dem gesamten Armzug anhalten kann, desto mehr Vortrieb kann letztendlich generiert werden. Mit der Vergrösserung der Abdruckfläche, die wir mit unseren Händen und Armen bilden, können wir unseren Vortrieb zusätzlich steigern. Der Unterwasser-Armzug ist hierbei die Möglichkeit für den Menschen, den grössten Teil dieses Vortriebs zu entwickeln.

Die Grundlage eines effektiven Unterwasser-Armzugs ist das vorhergehende, passive Anheben der Schulter. Dieses passive Anheben der Schulter wird bereits während der Rückholphase des Armes initiiert. Die Schulter wird dabei einerseits über die Rotation aus dem Wasser gedrückt, andererseits wird sie aber auch durch das korrekte Zurückführen des Armes zusätzlich angehoben. Verlässt der eine Arm nach der Druckphase das Wasser, wird er mithilfe eines hohen Ellbogens über Wasser wieder nach vorne geführt. Der Ellbogen bleibt dabei hoch oben stehen und wird in einem Kreisbogen um die Schulter herumbewegt. Durch die Bildung eines hohen Ellbogens während der Rückholphase wird die Schulter automatisch angehoben und befindet sich dadurch in der Ausgangsposition, die essenziell für die spätere Einleitung des Unterwasser-Armzugs ist. Der Unterarm hängt während der Rückholphase locker nach unten und erhält dabei eine zusätzliche Regenerationspause.

Der hohe Ellbogen während der Rückholphase - Schlüssel und Grundlage für einen

effektiven Unterwasser-Armzug 

 

Grundsätzlich gilt, dass die Schulter auch während dem gesamten anschliessenden Unterwasser-Armzug an der Wasseroberfläche oben stehen bleibt. Der Unterwasser-Armzug beginnt mit dem schulterbreiten Eintauchen der Hand ins Wasser. Eingetaucht wird möglichst weit vor dem Kopf – der Mittelfinger führt die Hand und den darauffolgenden Arm.  Der Arm gleitet dabei durch das imaginäre Loch, welches die Hand zuvor aufgerissen hat. Die Eintauchphase der Hand sollte zudem möglichst sanft erfolgen, um die Bildung grosser Luftblasen zu verhindern. Von Luftblasen können wir uns nämlich im weiteren Verlauf des Unterwasser-Armzugs nicht gut abdrücken und verlieren somit an Vortrieb.

 

Nach dem Eintauchen werden die Hand und der Arm über die Rotation hinweg nach vorne geschoben, um die Zuglänge weiter zu maximieren. Dabei sinkt der gesamte ausgestreckte Arm minimal nach unten – die Schulter bleibt jedoch stets oben und wird parallel dazu über eine leichte Innenrotation zum Ohr hingedreht. Dadurch kann der Ellbogen überhaupt erst nach oben zeigen. Kinn und Schulter liegen somit direkt aneinander an. Danach wird der gesamte untere Hebel (Hand+Unterarm) über eine feine Innenrotation unter den Ellbogen geführt. Der Unterarm und die Hand zeigen somit nahezu senkrecht zum Beckenboden hin. Der Ellbogen bleibt dabei immer noch oben stehen. Mit dieser Haltung des Armes können wir im weiteren Verlauf des Unterwasser-Armzugs bereits zu einem frühen Zeitpunkt eine grosse Kraft nach hinten ausüben und somit massiv mehr Vortrieb generieren. Ist der Arm einmal so im Wasser verankert, ist die sogenannte Catch-Phase abgeschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Catch-Phase: Kernpunkt eines jeden Unterwasser-Armzugs

Nun ziehen wir mit Unterarm und Oberarm in dieser Position unterhalb des Körpers nach hinten. Dieses Ziehen sollte dabei in einer einzigen, geraden Linie erfolgen, bei welchem die Fingerspitzen der Körpermittellinie entlang nach hinten geführt werden. Wischbewegungen sind zu vermeiden, führen sie doch zu einem direkten Abdruckverlust und somit zu weniger Vortrieb.  

Zu beachten ist zudem, dass Hand und Arm nicht direkt unterhalb des Körpers durchgezogen werden, sondern mit einem gewissen Abstand. Dabei sollte sich von vorne betrachtet flächenmässig ein möglichst grosses Dreieck ergeben, bestehend aus den Eckpunkten Ellbogen, Fingerspitzen und Brustbein.  

Das geradlinige Nachhintenziehen nach der Catch-Phase - auch Zugphase                                                           Das Armdreieck mit einem Innenwinkel

genannt                                                                                                                                                                          von rund 90-100 Grad

Kann der Oberarm respektive der Ellbogen nicht mehr weiter nach hinten geführt werden, werden auch der Unterarm sowie die Hand vollumfänglich nach hinten ausgestreckt und aus dem Wasser hinausgedrückt, sodass sie das Wasser auf Höhe des Oberschenkels verlassen und wieder in die Rückholphase übergehen. Die Druckphase des Unterwasser-Armzugs ist somit vollständig abgeschlossen.

Der Schwimmer zu Beginn der Druckphase

Die Finger werden während dem gesamten Unterwasser-Armzug mit kleinen Abständen zueinander gehalten. Sie werden weder gespreizt noch krampfhaft aneinandergepresst. Die Hand wird nicht gekrümmt, sondern bleibt flach ausgestreckt und bildet mit dem Unterarm eine Einheit.

 

 

 

 

Der Unterwasser-Armzug ist das zentrale Element für den Vortrieb im Kraulschwimmen, weshalb er gezielt trainiert werden muss. Um einen guten Unterwasser-Armzug zu entwickeln, eignet sich das sogenannte Abschlagschwimmen hervorragend.

 

Hierbei wird pro Seite abwechselnd je ein kompletter Armzug durchgeführt. Der passive Arm wartet eingetaucht und vor dem Kopf im Wasser liegend, bis der andere aus der Rückholphase zurückkehrt. So erhält der Schwimmer genügend Zeit, sich auf den genauen Bewegungsablauf des jeweiligen Arms zu fokussieren. Beachtet werden dabei sämtliche Aspekte, die in der Theorie aufgeführt wurden. Ebenfalls sollte man darauf achten, dass sich die Arme beim Eintauchen nicht wortwörtlich «abschlagen», sondern schulterbreit eingetaucht werden. Ansonsten entsteht der sehr häufig auftretende Fehler des Überkreuzens.

Zu Beginn kann es zudem hilfreich sein, den Unterwasser-Armzug in seine einzelnen Phasen aufzuteilen und diese isoliert im Wasser oder an Land mithilfe von Zugseilen einzustudieren. Im Wasser eignen sich hierfür allseits bekannte Übungen wie das Eisbärschwimmen oder das Entenpaddeln, um die Catch-Phase und die Druckphase einzeln zu erlernen.

Kraulschwimmen. Hoher Ellbogen.
Kraulschwimmen. Catch. Phase.
Kraulschwimmen. Zugphase.
Armdreieck.PNG
Kraulschwimmen. Druckphase.

Impressum     Datenschutz     

© 2020 Luca Meier. Erstellt mit Wix.com